21.7.1759 aus Wiener Sicht

Die Wienerische Zeitung berichtete seiner Zeit von allen Kriegsschauplätzen. So beginnt die Ausgabe vom 21.7. beginnt mit einigen Beobachtungen aus Hessen, wo eine steigende Neigung zur Desertion bei den Alliierten konstatiert wird, „besonders von den Hannöverischen Jägern”. Die nächste Nachricht stammt aus Madrid, insbesondere von der Flotte, die in Cadiz liegt. Von den Schwierigkeiten der Kriegführung handelt ein Eintrag aus Marburg, datiert vom 4.7.: „Die hiesige Garnison ist merklich verstärket. Es wird hier sehr viel Commiß-brod gebacken und zu der Armee geliefert. In einigen benachbarten Orten liegen Commandi von der Fischerischen Reiterey, welche die nöthige Vorspann und Wägen betreiben; dann es haben verschiedene hessische Unterthanen, um von den Frohnen frey zu seyn, ihr Zugvieh in die Wälder getrieben.”

Mitte Juli bestanden die französischen Truppen nach Aussage dieser Quelle auf 77.110 Mann unter dem Kommando des Marschalls von Contades, das Corps der Reserve unter Herzog Broglie bestand aus 18.920 Mann, das Corps des Hrn. Marquis d’Armentieres aus 19.100 Mann, insgesamt also 115.130 Mann, zu denen noch einmal 17.510 Mann kamen, die als Besatzungen verteilt waren.

Die nächsten Berichte stammen aus Posen, Lissabo (Lisabon), Toulon, Paris (wo über den Bau der Landungsflotte nach England berichtet wird), dann Amsterdam. Unter der Überschrift „Kurz-gefaßte Nachrichten von verschiedenen Orten” wird dann offenbar wahllos aus allen möglichen Orten berichtet. Auf Rom folgt Versailles, folgt Hameln. Von dort wird berichtet: „… daß allda 1500 M. unausgesetzt an dem neuen Festungswerk, so man vor dem Esterthor gemacht, arbeiten; daß die Einwohner sich auf 2 Monat mit Lebensmitteln zu versehen, den Befehl bekommen; und daß man aus Besorgung eines von dem nur etwelche Meilen noch davon entfernten Herzog von Broglie unternehmenden Ueberfalls auch das Pflaster auf denen Gässen aufgehoben, nicht minder die ohnehin schon zahlreiche Garnison mit denen Regimentern Post und Fersen verstärket, auch die ganze umliegende Gegend unter Wasser gesetzet habe, wodurch die Erndte von mehreren hundert Joch Aeckern zu nicht geringer Betrübniß deren diesfälligen Eigenthümern verwüstet worden.”

Advertisements
Published in: on Dezember 4, 2008 at 10:25 pm  Schreibe einen Kommentar  
Tags: