Oldendorf, 3. Aug. 1759

Nach und nach trafen unterschiedliche Meldungen über den Verlauf der Schlacht ein; der Versuch, die Niederlage nicht zu dramatisch erscheinen zu lassen, ist unverkennbar.

„Wir haben eine Bataille verloren, die wir doch allem Anschein nach hätten gewinnen müssen, wenn der genommenen Masregeln zufolge der Angriff von allen Seiten zugleich erfolgt wäre; da dieses aber nicht geschehen, so sehen wir uns zum Zuruckzug bemüßiget. Die Affaire fienge mit Anbruch des Tages an, und endigte sich gegen Mittag. Der Feind ware, so zu sagen, auf seinen beyden Flügeln geschlagen, als unsere Cavallerie aus allzugrosser Hitze zu weit vordrunge, wodurch selbige sich stürzte, und unser Centrum dem Feind allzublos stellte. Zudem war unsere im Centro gestandene Infanterie auch nicht geschwind genug, um sich eines vor sich habenden Gebüsches zu bemächtigen, und den Feind daraus zu vertreiben. Wir haben Artillerie und einige Mannschaft hierbey verloren; doch seynd von denen Feinden wohl auch so viel geblieben, als wir gleich die Angreifer gewesen. Unser Zuruckzug geschahe Schritt vor Schritt bis unter die Canonen von Minden, wo die Trupen wieder alle zusammen stiessen. So viel man jetzt weiß, seynd 3 unserer Generals verwundet und 1 gefangen. Die Canonade ware von beyden Seiten entsetzlich. Indessen blieben wir zu Minden bis zur angehenden Nacht, da sodann die Armee nach und nach über die Weser gienge, und sich bis hierher zuruck zoge, zumalen die Retirade nach der Seiten von Hervorden und Paderborn uns schon vom Feind abgeschnitten waren. Der Herzog von Broglie führet anjetzo die Arriergarde. Die Brucke auf der Weser bey Minden hat man sprengen lassen. Gestern ist die feindliche Armee bey Stolzenau über diesen Fluß gegangen. Sobald die Armentierische Reserve sich an unsere Armee wird angeschlossen haben, gehen wir wieder auf die Feindliche los.“ Wiener Zeitung, 22.8.1759

Published in: on Februar 15, 2009 at 4:33 pm  Schreibe einen Kommentar  

Düsseldorf, 12.8.1759

Die Wiener Zeitung vom 22.8. enthält die letzten Nachrichten übe die Schlacht, auch weil das Geschehen sich jetzt schon verlagert hat. Typisch für diesen und weitere Berichte ist, dass sie entsprechend dem Datum der Korrespondentenberichte aufgenommen werden, damit zeitlich widersprüchlich sind und außerdem auch unterschiedliche Perspektiven aufzeigen. Der folgende Bericht ist datiert:

Düsseldorf, 12.8.1759

Quelle: Wiener Zeitung, 22.8.1759

„Die Französische Armee ziehet sich nach denen Berichten aus Westphalen vom 6. dieses, größten Theils nach Cassel, allwo der Hauptsammelplatz seyn soll. Das Hauptquartier der Alliirten war den 5. zu Bielefeld, und den 4. hatte der Herr Marschall von Contades den Marsch von Oldendorf, Hammeln vorbey auf Hachmühlen genommen, verschiedene andere Colonnen der Französischen Armee marschirten über Warburg, welcher Marsch jedoch wegen deren Bergdefileen und deren vrschiedenen Corps Hanöverischer leichter Truppen sehr beschwerlich geachtet wird. Von dem beyderseidtigen Verlust hat man seithero noch keine genaue Liste erhalten. So viel weiß man, daß die Hanöverische Garde 163 Mann verloren und das Wangenheimische Corps ebenfalls sehr gelitten habe. Uberhaupt sprechen die Hannöverische Berichte von dieser Bataille denen Französischen Truppen das Lob der Tapferkeit vollkommen zu, und versichern, daß man sie mit der größten Herzhaftigkeit  gefochten, und mehr als einmal die zertrennten Glieder wieder hergestellet hätten. In Minden liegen indessen viele Blessirte, welche alle Verpflegung geniessen, der Prinz Chimay soll in dem Treffen gebliben, und den 3. in der Domkirche allda Standesmäßig begraben worden seyn. Der Erbprinz von Braunschweig, welcher mit einem Corps voraus gegangen, steht jetz zu Hameln, und hat bereits Vlotho und Rinteln wider besetzet. Durch besagte Berichte erhalten wir auch einen Plan von der Bataille selbst. Demzufolge stund die Conatische Armee hinter einem Morast. Der linke Flügel war zu Dutzen, und der rechte erstreckte sich bis unter Minden. Im Rücken hatte sie Defilen, Wodeckenstein, Barkhusen und Eicksfelden. In der Nacht vom 31. Julii zog sie durch die Mindischen Felder, welche zwischen der Stadt und der Spitze des Morasts liegen und formirte sich von Haalen bis Minden, so, daß sie besagte Felder, und einen Theil des Morastes im Rücken hatte. Hierauf wurde der General von Wangenheim in der früh bey Tonhausen angegriffen, welcher die Attaque mit vieler Contenance aushielt. Der Herzog Ferdinand kam hierauf der Französischen Armee von Himmelrick und Hille in die Flanque, worauf das Treffen allgemein, und endlich von der Französischen Armee die Retraite über die Felder von Minden genommen wurde.“

Published in: on Februar 10, 2009 at 1:46 pm  Schreibe einen Kommentar  

Minden, 30. Juli

Wir sind immer noch in der Ausgabe vom 18. August, die im ersten Artikel über die Schlacht berichtete, dann aber ältere Berichte lieferte, erst aus Petershagen, jetzt aus Minden vom 30.7., jetzt deuten sich die Vorbereitungen für die Schlacht immer stärker an:

„Vorgestern Morgens ist der Herr von Commeiras Obrister der Freywilligen von Clemont in Osnabrück attaqiret und genöthiget worden mit seinem Regiment, so ziemlich gelitten, diese Stadt und 1. Canone allda zu verlassen. Den 29sten lieffe von unseren beyden Seiten der Weser ausgestellten Vorposten die Nachricht ein, daß in dem feindlichen Lager grosse Bewegungen wahrgenommen würden und um 9 Uhr sahe man schon die Feinde in 2 Colonnen rechts auf Hille marschieren. Sie haben angefangen sich gegen Mittag auszubreiten. Ihr rechter Flügel lehnet sich an das Dorf Hille, und ihr linker ziehet sich bis an das Dorf Holzhausen und sie haben einen Morast vor sich. Durch diese Bewegung haben sie sich auf 1 Stund von der Weser entfernet; wir können  noch nicht erahnen, was den Feind zu dieser Bewegung veranlasse.“

Quelle: Wiener Zeitung, 18.8.1759

Published in: on Februar 9, 2009 at 9:16 pm  Schreibe einen Kommentar  

Petershagen 29. Juli 1759

Nach einer längeren Pause folgt jetzt wieder ein Artikel und obwohl er nach der Schlacht bei Minden und dem ersten Bericht erschienen ist, behandelt er eine Auseinandersetzung, die deutlich vor der Schlacht lag. Außerdem gibt es eine nette Geschichte von ritterlichen Feldherren und einem englischen Schurken.

Petershagen 29. Julii

„Diesseits der Weser, zu Lade, 1 Meile von Minden hat der Herr Oberst von Luckner mit seinen sämtlichen Hussaren am 21. dieses ein Corps von 4000 Mann National-Franzosen angegriffen, und sie zum weichen gebracht. Der Französische Verlust ist groß, doch haben die unsrige durch das feindliche Musquetenfeuer 70 Mann theils Todte, theils Blessirte gehabt. An diesem Tag haben die Lucknerische Hussaren den 2ten Scharmützel und in 7 Tagen den 10ten gehabt. Heute stehet der Herr Obriste mit seinen Hussaren, nebst 1000 Grenadiers und 100 Jägern bey Windheim, und der Major Friedrichs mit seinem Jägercorps zu Stadthagen. Sonsten hat bey der alliirten Armee ein Engländischer Commissair einen ansehnlichen Betrug gemacht, und ist mit vielem Geld (man sagt mit 200000 Ducaten) nach denen Feinden übergegangen. Der Herzog von Broglie aber hat denselben wieder aus freyen Stücken ausgeliefert, wofür der Herzog Ferdinand 50 gefangenen Französischen Hussaren die Freyheit geschenkt.“

Quelle: Wiener Zeitung, 18.8.1759

Published in: on Februar 8, 2009 at 10:50 pm  Schreibe einen Kommentar  

Köln, 9. August

Die Folgen der Schlacht waren für die französische Seite katastrophal, das zeigt dieser Artikel aus Köln vom 9. August, der erst am 18. August in Wien erscheint. Die Nachrichten sind unscharf, aber deutlich ist, dass die Franzosen, welche seit Bergen dauernd auf dem Vormarsch waren, mit der Schlacht bei Minden Westfalen in großen Teilen räumen müssen. Die mühsam errungenen Positionen werden innerhalb weniger Tage aufgegeben.

„Cöln, 9. Augusti

Durch die Briefe aus Westphalen vom 7. dieses hat man weder von der gegenwärtigen Stellung der Französischen Armee noch von dem am 1. vorgefallenen Treffen annoch eine hinlängliche Nachricht. Allhier ist noch bis heute kein Currier angekommen und alles, was man durch Berichte vom Niederrhein vernihmt, besteht blos darinnen, daß sich der Herr Marquis von Armentieres von Lippstadt zurück gezogen, daß die Garnisonen von Münster, Dulmen und Haltern sich nach Wesel begeben, und daß man daselbst alle möglichen Wägen zusammen bringe, um die Munition wieder zurück zu führen, die sich in denen Communicationsplätzen befindet. Briefe von Lüttich melden ebenfalls, daß allda den 4. Nachts 2 Französische Curriers, einer an den Herrn Belleisle, und einer an die Prinzeßin von Conde durchgegangen, welche blos dieses meldeten, daß der Prinz Ferdinand von der Seite seines rechten Flügels ein grosses Detaschement bis Hervorden abgeschickt, und daß einige Communicationen coupirt wären. Von Hanöverischer Seite hat man von diesem Treffen durch die Briefe vom 3. dieses auch keine weitere Umstände erhalten. Man meldet nur dieses, daß der erste Angrif von Französischer Seite auf das unweit Hille gestanden Wangeheimische Corps geschehen sey, daß dieses das Französische Canonenfeuer bey ein und einer halben Stund, wiewol mit nicht geringen Verlust ausgehalten, und daß endlich der Prinz Ferdinand von Petershagen her mit forcirtem Marsch besagtes Corps unterstützet habe. Die Affaire wäre hierauf allgemein geworden, der Französische linke Flügel hätte sich nach einem tapfern Gegenstand, erst Nachmittags repliirt, und gegen Hervorden zugewendet. Von alliirter Seite wären keine hohe Officiers in diesem Treffen geblieben, und sehe man in Hannover selbst noch einer umständlichen Nachricht entgegen. den 2. Morgen habe man in der Gegend von Hervorden und Flothan wiederum eine heftige Canonade gehöret, woraus man geschlossen, es möchte zwischen beyden Truppen aufs neue etwas vorgefallen seyn.  Es wr eigentlich der Herr Obriste von Comeiras, welcher mit seinen Regimentern Volontairs Clermont, von denen Alliirten in Osnabrück den 28. angegriffen worden. Die Französische Truppen defendirten sich sehr tapfer, und zogen sich im beständigen Musquetenfeuer, Strasse vor Strasse, zu dem einen Thor hinaus. Ob gleich die Alliirte ihr verlassenes Magazin wieder erhielten, so haben sie doch bey dieser Expedition viel an Mannschaft eingebüsset. In Bremen sind nach Briefen vom 4. dieses noch 400 Mann Hannöverisch und Hessische Landmilitz zur Besatzung. …“

Quelle: Wiener Zeitung, 18.8.1759

Published in: on Januar 19, 2009 at 9:57 pm  Schreibe einen Kommentar  

Düsseldorf, 5.8.1759

Jetzt endlich, in einer Nachricht vom 5.8. aus Düsseldorf gibt es erste Details zur Schlacht, wobei die Angabe, die Auseinandersetzung habe bis Abend gedauert, den schnellen Verlauf um einiges verlängert und auch die Niederlage der französischen Armee nur versteckt erkennbar wird.

„Düsseldorf, 5. Augustii

Die bisherige Situation deren Armee in Westphalen hat sich nach denen Briefen vom 3. dieses geändert. Die Alliirte Armee brach den 29. Julii Nachts von Petershagen auf, und marschirte von da nach Hille, wo noch den 31. das Hauptquartier war. Den 28. hatte sich der Major von Drevet, nachdem er sich von Bremen aus mit der Garnison von Vechte vereinigt, der Stadt Osnabrück bemächtigt, welche Expedition aber Hanöverische Seits viel gekostet. Den 30. eroberte der Erbprinz von Braunschweig mit 8 Bataillons und 6 Esquadrons den Posten von Labeck und den 31. wurden die Schiffbrücken über die Weser abgebrochen, und nach Nienburg gebracht. Jedermann vermutete bey dieser nahen Stellung beyder Armeen ein bevorstehendes Treffen, und dieses erfolgte auch den 1. Augusti, da der Herr Marschall von Contades nach erhaltener Nachricht, daß der Erbprinz von der alliirten Armee mit einem starken Corps abgegangen sey, diese Morgens um 7 Uhr mit 6000 Mann angrif. Der Prinz Ferdinand rückte in 9 Colonnen entgegen, das Treffen dauerte bis gegen Abend, worauf sich die Französische Armee gegen Minden zurück zog. Dem Vernehmen nach sind alle Regimenter, ausser einem Engländischen von dem Corps des Erbprinzen bey der Bataille gewesen. Die weiteren Umstände stehen noch zu erwarten.“

Quelle: Wiener Zeitung, 15.8.1759

Published in: on Januar 18, 2009 at 12:52 pm  Schreibe einen Kommentar  

Minden, 28.7.1759

Dieser Bericht aus Minden, Ende Juli, bietet einige neue Informationen über die sich zunehmend zuspitzende Lage. Für beide Seiten war offenbar klar, dass eine Schlacht sich nicht mehr vermeiden liess. Bei Abschreiben der Texte des Wiener Korrespondenten fällt mir immer wieder der wenig aggressive Ton der Texte auf.

„Aus dem Lager der Kön. Französischen Armee be Minden 28. Julii

Die beyderseitige Armeen halten noch immer die vorige Stellung, die feindliche Armee campiret noch bey Petershagen, und die unserige ist noch bey Minden gelagert; die Reserve des Herzogs von Broglie hat ihr Lager auch noch an dem rechten Ufer des Weserstroms, und lehnet sich mit ihrem linken Flügel an die 3 Brücken, welche wir über selbigen Fluß haben. Der Prinz Ferdinand steiget fast alle Tage morgens um 4 Uhr zu Pferd, um unsere Position zu recognosciren. Seine Druchl. haben starke Detaschementer vorwärts Petershagen eine Stunde vor Minden stehen, dergleichen wir auch vor unserem Lager voraus gestellet haben, und folgendes gehet fast kein Tag vorbey, daß die leichten Trupen sich nicht miteinander herum schlagen, oder einige Canonenschüsse gehöret werden, wiewol ohne grosser Würkung. Die Feinde arbeiten mit verdoppelten Fleiß und Leuten vor dem Gehölz, oder ihnen nahe gelegenen Wald, ihre sehr weit ausgebreitete Verschanzungen zu vollkommenen Stand zu bringen. Nachdem der Generalleutnant von Zastrow und 3500 Mann in der Citadelle zu Münster zu Kriegsgefangenen gemacht worden, wo auch die ansehnliche Magazinen der Stadt in die Hände deren Unserigen gefallen seynd, so machet der Marquis d’Armentieres vor Lippstadt große Veranstaltungen, um selbige Stadt zu berennen, und enger einzuschliessen, in welcher der General von Hardenberg commandiret, und eine ungefähr 3000 Mann starke Garnison unter seinem Commando hat. “

 

Quelle: Wiener Zeitung, 15.8.1759

Published in: on Januar 18, 2009 at 9:34 am  Schreibe einen Kommentar  

Köln, 24.7., Hannover, 27.7.

Die beiden Berichte aus Köln und Hannover ergänzen sich gegenseitig. Sie zeigen, dass die französische Seite schon die nächsten Schritte plante, u.a. die Eroberung Hamelns.

„Cöln, 24. Julii

Das Theater des Krieges. welches bisher in Westphalen gewesen, wird sich, allem Ansehen nach, ehestens in die Hanöverische Staaten, und vornehmlich in das Herzogtum Bremen ziehen. Die alliirte Armee, welche bisher in der Gegend von Nienburg gestanden, ist längs der Weser dahin im Marsche und die Französische macht gleichfalls solche Bewegungen, aus denen sich folgen läst, daß sie erstere zu einem Treffen nöhtigen gedenke. Uber Averdiessen sind den 17. dieses 8000 und von Minden aus 16.000 Franzosen mit vielen Canonen und Mörsern auf Hameln zu marschiret, und dörfte die Belagerung dieses Platzes ehestens vor sich gehen.

Hanover 27. Julii

Da eine feindliche Belagerung der Festung Hameln besorget wird, so ist die Bagage der darin befindlichen Garnison von dorten weggeschaft, und am 15. dieses unter einer Escorte von Dragonern hierdurch und auf Nienburg (allwo die Mannschaft auch zur Bedeckung des dortigen Magazins und der Feldbäckerey dienen soll) gebracht worden. In der vorigen Woche hat man noch 24, 12 und 6-pfündige metallene Canonen von hier aus nach besagtem Hameln zu dessen mehrerer Defension abgeführet. Am 16. dieses ist die vom Feind in Minden zu Kriegsgefangenen gemachte Garnison, nach zuvor geschehener Versprechung der Gegenauswechslung, allhier angekommen. Denen mit darunter befindlichen 100 Mann vom Jungbreitenbachischen Dragonerregiment hat man zuvor die Pferde, und wie denen andern das Gewehr abgenommen. Diese demontirte Dragoner werden also wieder beritten gemacht, auch wird ihnen, wie denen übrigen Desarmirten neues Gewehr gegeben, und jeder nach seinem Regimente abgeschickt.“

Wiener Zeitung, 15.8.1759

Published in: on Januar 13, 2009 at 9:01 pm  Schreibe einen Kommentar  

Minden, 26. Juli

„Aus dem Lager der Französischen Armee zu Minden den 26. Jul.

Der Marschall von Contades wurde den 19ten des Abends benachrichtiget, daß ein grosses Detachement von der feindl. Armee, und wie man sagte, unter Befehl des Erb-Prinzens gegen unsere Linke auf die Brücke von Hille anmarschieret sey, und unsre allda postirt gestandene Freywillige von Haynault zum Weichen gebracht habe.
Zu gleicher Zeit vernahm man auch, daß besagtes Detachement sich in der Gegend von Labeck hätte sehen lassen, welcher Posten zwar sehr wichtig, um unsere Linke zu decken; da aber der Graf von Berchiny nicht genugsame Stärcke hatte, um selben recht zu behaupten, so zoge er sich mit seinem Regiment zurück, und ließe nur die Freywillige von Prague allda, um den Marsch des Feindes zu beobachten.
Auf diese eingegangene Berichte ließe der Marschall noch um Mitternacht den Grafen von Guerchy mit der Brigade du Roy, 20 Grenadierscompagnien, 20 Piquets und 1200 Reuter abgehen, um den Erbprinz, falls dieser sich des vortheilhaften Postens von Labeck bemeisteret hätte, gleich anzugreifen; als der Graf Guerchy aber bey der Brück von Hille ankame, vernahme er, daß die Feinde sich bereits zuruck gezogen, dahero gienge er auch mit seinem Detachement nicht weiter, vielmehr kehrete er damit den 20ten zu Abends wieder ins Lager ein.
Auf der rechten Seite der Weser hat der Herr von Bair, so die Freywillige von der Reserve commandiret, den Posten von Lade, bis den 21sten den ganzen Tag durch, immer besetzt gehalten und sich erst des Nachts nach der Commanderie zuruck gezogen; allein da von diesem Posten, gleichsam als von einem Belvedere, alles in dem feindlichen Lager vorgehende genau beobachtet werden konnte, so waren die Feinde äußerst bedacht, um uns davon zu vertreiben; derowegen kamen sie in der Nacht vom 20. zum 21ten mit Mcht heran, und verhinderten den Herrn von Bair den Posten von Lade wieder einzunehmen. Bey dieser Gelegenheit fiele ein sehr hitziger Scharmützel zwischen den Freywilligen und Feinde vor; da aber die in der Commanderie gelegene Nassauische Hussaren denen Freywilligen zu Hülfe eileten, so konnten diese von denen Feinden nicht verfolget werden. Als der Herzog von Broglie von dieser Attaque benachrichtiget wurde, begabe er sich alsobald dahin, allein bey seiner Ankunft hatte sich schon alles geendiget.
Da indessen der Herzog besorgte, es möchten die Feinde sich dieses Angriffes als einer Larve bedienet haben, um mittelst einer bey Petershagen leicht zu schlagender Brücken, den Ubergang ihrer ganzen Armee über die Weser heimlich zu decken, und uns solches zu verbergen, so liesse er in Betracht dessen die Freywillige noch mit 600 Mann verstärken. Gedachter Herzog hat auch, auf Befehl des Hrn. Maschalls von Contades, am 22. dieses 300 Mann unter Befehl des Obristleutnants von Hervorden in das Bückeburger Schloß gelegt, mit gemessener Ordre, sich daselbst bis aufs äusserte zu verteidigen.
Unsere und die feindliche Vorposten stehen nur einen kleinen Flintenschuß weit von einander. Die feindliche Armee verschanzet sich; wie haben eine treffliche Position, welche keiner Verschantzung nötig hat. Wie bedecken die Unternehmungen des Herrn Marquis d’Armentieres, welcher mit aller Behendigkeit vorrucket, und alle Anstalten macht, um Lippstadt zu berennen, alwo der Hanöverische General Hardenberg eine Besatzung von beyläuffig 3000 M. commandiret. Das Corps de Reserve des Herrn Herzogs von Broglie campirt an dem rechten Ufer der Weser, und lähmet seinen linken Flügel an 3 Brücken, welche wir über die Weser haben. Ein unseriger Posten von ungefähr 300 Mann haltet seit einigen Taegen das Schloß von Bückeburg besetzet, welches eine Meile von dem rechten Flügel unseres Corps de Reserve ligt. Der Graf von Lippe Bückeburg hat an diesem Schloß von allen Befestigungsgattungen einen Theil angebracht. Es ist ganz etwas besonderes, und kan ohne grossen Geschütz nicht eingenommen werden.“

Quelle: Wiener Zeitung, 11.8.1759

Published in: on Januar 11, 2009 at 1:31 pm  Schreibe einen Kommentar  

Düsseldorf, 26.7.1759

Der Bericht vom 26. Juli aus Düsseldorf deutet die anstehende Schlacht schon an. Der in früheren Berichten erkennbare Optimismus der französischen Seite ist hier nicht mehr erkennbar.

Düsseldorf, 26. Julii
Die neuere Berichte von der Alliirten Armee unterm 20. dieses sind in Ansehung der gegenwärtigen Position derselben sehr verschieden von denen letztern. Diese Armee ist nicht, wie es hieß die Weser passirt. Der Prinz Ferdinand ist vielmehr den 16. von Stolzenau gegen Petershagen aufgebrochen, um wahrscheinlicher Weise die Französische Armee anzugreifen, der Erbprinz von Braunschweig war mit 10000 Mann voraus, der Marsch der Armee ging in 9 Colonnen, die Cavallerie stund den 17. den ganzen Tag in Schlachtordnung die Infanterie im Gewehr, allein da es gegen Abend hieß, die Französische Armee hätte eine Wendung gegen Labeck gemacht, so kehreten die Truppen in ihr voriges Lager. Den 17. ist die alliirte Armee gegen Buschfeld, eine Stunde vor Minden vorgerückt. Das Hauptquartier blieb zu Petershagen, und allem Ansehen nach, darf man aufs neue eine bevorstehende Bataille vermuten. Die schwere Bagage hat von dem Weeg nach Stade wiederum nach Nienburg zurück kehren müssen.“

Quelle: Wiener Zeitung, 8.8.1759

Published in: on Januar 5, 2009 at 9:59 pm  Schreibe einen Kommentar