Annual Register, Dez. 1759, 1. Teil

Der folgende zeitgenössische englische Text betrachtet das Ereignis schon aus einer gewissen zeitlichen Distanz. Der hier wiedergegebene Teil verdeutlicht den Schock, den das schnelle Vordringen Frankreichs im Sommer 1759 verursacht hat, weil jetzt Hannover wieder akut gefährdet war und man sich nach einem Sieg der Franzosen ausrechnen konnte, dass sie nicht dieselben Fehler wie 1757 begehen würden, als sie den Hannoveranern erlaubten, eine vollständige Armee unter Waffen zu halten.

„1759, Chap. IV

Progress of the French after the battle of Bergen. Munster and other places taken. Situation of the French and of the allies. Motions of Prince Ferdinand. Battle of Minden. Hereditary prince of Brunswick defeats the Duke of Brisac. The French pass the Weser. (…)

We left the Army of Prince Ferdinand upon the retreat, ever since the battle of Bergen. The French advanced with great vivacity; their light troops made incursions almost to the gates of Hanover. The Prince still continued to retire, but he left the garrisons in Lipstadt, Ritberg, Munster and Minden, in order to retard the enemies progress: their principal design seemed to be cut off his retreat to the Weser, to which he kept very close, as he knew the infinite consequence of that communication. However, if the enemy failed to compass that object, all the precautions of the Prince proved also ineffectual to retard the progress of their arms. Ritberg was surprised, Lipstadt was blockaded, Minden was taken by assault, where a garrison 0f 1500 men were made prisoners, and where immense magazines fell into their hands. D’Armentieres advanced against Munster; he attempted to take the place by a coup de main. Thoug foiled in his attempt with considerable loss, he did noch desist; he drew up his cannon from Wesel, and after a short siege, made himselfe master of the city; the garrison of 4000 men became his prisoner. Nothing seemed able to withstand the rapid torrent with which the French over-ran the whole countr; they no longer hoped, the conquest of Hanover; it was with them an absolute certainty.

Elated with the fair appearance of their fortune, they kept no bounds. The French minister, the Duke of Bellisle, in his letters to the Marshal Contades, speaks only of the means of securing their conquest, and preventing another expulsion from Hanover; and for this end prposed the most cruel and unwarrantable expedients. Nor was there less dread and dejection visible on the side of the allies, than pride and confidence on that of the French. The Archives and most valuable moveables were sent off from Hanover to Stade. All things seemed hastening to the same posture which drew on the famous capitulation of Closter Seven.“

http://www.bodley.ox.ac.uk/ilej/
ab 1759, S. 15

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Published in: on März 13, 2009 at 10:51 am  Schreibe einen Kommentar  

Yes we can

Ich unterbreche kurz die Berichte aus der Wiener Zeitung (und ggf. anderen zeitgenössischen) und verweise kurz auf einen Artikel der Times: 1759 and all that. Die besondere Spannung, die sich im Lauf der Beschäftigung mit der Schlacht bei Minden ergeben hat (und die für mich über dies Datum 1.8.1759 noch hinaus reichen dürfte) ergibt sich daraus, dass sie nicht nur den globalen Kontext zeigt, sondern auch deutlich werden läßt, wie sehr Deutschland damals (Preußens Erfolge hin oder her) an der Peripherie stand. Die auf Preußen fixierte Geschichtsdarstellung blendet nicht nur das aus, sondern auch, dass die Hauptaktuere auf „britischer“ Seite eben nicht britische Truppen, sondern hannoversche, braunschweigische oder schaumburg-lippische Truppen waren.

Published in: on Februar 10, 2009 at 3:32 pm  Schreibe einen Kommentar  

Köln, 24.7., Hannover, 27.7.

Die beiden Berichte aus Köln und Hannover ergänzen sich gegenseitig. Sie zeigen, dass die französische Seite schon die nächsten Schritte plante, u.a. die Eroberung Hamelns.

„Cöln, 24. Julii

Das Theater des Krieges. welches bisher in Westphalen gewesen, wird sich, allem Ansehen nach, ehestens in die Hanöverische Staaten, und vornehmlich in das Herzogtum Bremen ziehen. Die alliirte Armee, welche bisher in der Gegend von Nienburg gestanden, ist längs der Weser dahin im Marsche und die Französische macht gleichfalls solche Bewegungen, aus denen sich folgen läst, daß sie erstere zu einem Treffen nöhtigen gedenke. Uber Averdiessen sind den 17. dieses 8000 und von Minden aus 16.000 Franzosen mit vielen Canonen und Mörsern auf Hameln zu marschiret, und dörfte die Belagerung dieses Platzes ehestens vor sich gehen.

Hanover 27. Julii

Da eine feindliche Belagerung der Festung Hameln besorget wird, so ist die Bagage der darin befindlichen Garnison von dorten weggeschaft, und am 15. dieses unter einer Escorte von Dragonern hierdurch und auf Nienburg (allwo die Mannschaft auch zur Bedeckung des dortigen Magazins und der Feldbäckerey dienen soll) gebracht worden. In der vorigen Woche hat man noch 24, 12 und 6-pfündige metallene Canonen von hier aus nach besagtem Hameln zu dessen mehrerer Defension abgeführet. Am 16. dieses ist die vom Feind in Minden zu Kriegsgefangenen gemachte Garnison, nach zuvor geschehener Versprechung der Gegenauswechslung, allhier angekommen. Denen mit darunter befindlichen 100 Mann vom Jungbreitenbachischen Dragonerregiment hat man zuvor die Pferde, und wie denen andern das Gewehr abgenommen. Diese demontirte Dragoner werden also wieder beritten gemacht, auch wird ihnen, wie denen übrigen Desarmirten neues Gewehr gegeben, und jeder nach seinem Regimente abgeschickt.“

Wiener Zeitung, 15.8.1759

Published in: on Januar 13, 2009 at 9:01 pm  Schreibe einen Kommentar  

Nienburg, 18. Juli

Die Korrespondentenartikel der Wiener Zeitung sind nicht chronologisch und so enthält die Ausgabe vom 8. August 1759 einen Bericht aus Nienburg, der schon vom 18. Juli stammt und besonders die Verhältnisse bei Hameln und Hannover beschreibt. Die Region wird zwar nicht von den Franzosen kontrolliert, wohl aber bewegen sich kleinere Einheiten offenbar weitgehend ungezwungen in diesem Gebiet. 

Deutlich wird auch an diesem Artikel, dass die französischen Truppen den schnellen Vorstoß nach Hannover so lange scheuen, wie in Westfalen die Dinge noch nicht unter Kontrollie sind. Allerdings steht in der aktuellen Ausgabe auch schon ein Bericht über die Eroberung Münters vom 27. Juli.

„Hameln ist seit vorgestern berennet, und zu Hilligfeld, welches nicht weit davon ligt, sind schon 9000 Mann Franzosen gewesen; wie sich dann auch zu Barckel ein starkes Französisches Vorkorps hat sehen lassen. Inzwischen glaubt man nicht, daß es eher zu förmlichen Belagerung von Hameln kommen, bis man sich Französischer Seits erst wegen Münster und Lippstadt gesichert sehen möchte. Am 15. dieses ist aus Hameln das Dragoner-Regiment Jungenbreitenbach zu Hanover angelanget, und von da weiter zur Hauptarmee abmarschiret. Zu Hanover ist ein Commando Jäger und Hussaren angekommen, um die Weser-Gegend gegen die Französische Streiffereyen von Minden aus in Sicherheit zu erhalten. Die Lücknerischen Husaren sollen keine 2 Meilen mehr von Hanover stehen, und es heist, daß auch der Herr Obristleutenant Freytag mit seinem Jägercorps nicht gar weit mehr von besagter Stadt entfernt sey.“

Quelle: Wiener Zeitung, 8.8.1759

Published in: on Dezember 25, 2008 at 10:26 pm  Comments (1)  

25. Juli 1759, Wienerische Zeitung

25. Juli 1759

Am 11. Juli wird aus Düsseldorf über den Vormarsch der französischen Truppen berichtet. »Die leichte Truppen von beyden Theilen gerahten öfters aneinander, allein bis hieher ist noch nichts von Erheblichkeit vorgefallen. Ausser Rittberg haben die Französische Truppen auch Bielefeld in Besitz genommen und den 1. dieses näherten sich 500 Mann leichter Truppen, so wohl Cavallerie als Infanterie der Festung Lippstadt. Sie wurden von dem Brigadier Melfort angeführt und während dem, daß diese Truppen mit denen Hanöverischen Jägern scharmutzirten, glückte es denen Einwohnern, alles ihr Vieh vom Felde in die Stadt zu bringen. Nach einem zwey-stündigen Aufenthalt zogen die Französische Truppen nach Lipperode, und verfügten sich in der Nacht von da gegen Rittberg. Da sich die Anzahl deren Französischen Truppen, welche sich der Weser nähern, immer vergrössert, so ist man im Hanöverischen in nicht geringer Besorgnuß. Zu Hanover selbst hat man nach Briefen vom 4. dieses, nicht nur die Bürgerschaft mit Gewehr versehen, sondern auch die Land-militz, welche die Garnison formiret, bis auf 1000 verstärkt. Die Wälle sind reparairet, und mit mehreren Canonen, auch die Stadt-thore mit Graben und Palisaden besetzt worden. Die Regimenter von Post, Fersen und Breitenbach, haben sich von Münster wieder in Hameln geworfen, um diese Festung, welche ganz wahrscheinlich einer Belagerung ausgesetzt zu seyn scheinet, aufs möglichste zu vertheidigen. Zu Steinbrügge, zu Springe und zu Hochmühlen hat man sehr starke Piquets ausgestellt, um auf die Annäherung deren Französischen Truppen genaue Obsicht zu haben.«

Published in: on Dezember 5, 2008 at 7:44 am  Schreibe einen Kommentar