Annual Register 2

Der folgende Beitrag betont die taktische Herausforderung für Ferdinand, die Franzosen aus ihrer sicheren Stellung heraus zu bringen und in der Ebene zur Schlacht zu stellen:

„In this general gloom that overspread the fortune of the allies, the Prince kept himself unmoved and attentive to his designs. He did
not suffer himself to be disconcerted by blows, which he had probably foreseen, and the ill consequences of which he knew how to prevent. The
body of the French army after the taking of Minden, had posted themselves near the city, to which the right of their army extended;
their left was protected by a very steep hill; in their front was a large morass; and a rivulet covered their rear. Nothing could be more
advantageous than this situation; and whilst they continued in it, nothing could be enterprized against them. The army of the allies after
a continued retreat, began at last to advance, and fixed their camp altogether as advantageously at Petershagen, a place about three
leagues from the enemy.

Things were brought to that pass, that nothing but a battle could hinder the French from taking winter quarters to the electorate. There
was no possibility of attacking them with any hope of success in the camp which they then occupied. The point was to draw them from that
post into the plain; but the movements necessary to effects this were extremely hazardous to an inferior army, in sight of the enemy. The
operations of Prince Ferdinand, on this occasion, displayed so penetrating and uncommon a genius, such a guarded boldness, such a
certainty of the grounds he went upon, such a perfect possession of himself, that perhaps is no instance in history of generalship so
compleat and finished; for which reason we shall endeavour from the best lights we have, to draw out at length the several parts that concurred to form this remarkable piece; we could indeed with that authentic accounts of so very memorable an event, had been more clear and explicit, but we must content ourselves with the materials we have.“

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Published in: on Mai 27, 2009 at 7:19 pm  Schreibe einen Kommentar  

Annual Register, Dez. 1759, 1. Teil

Der folgende zeitgenössische englische Text betrachtet das Ereignis schon aus einer gewissen zeitlichen Distanz. Der hier wiedergegebene Teil verdeutlicht den Schock, den das schnelle Vordringen Frankreichs im Sommer 1759 verursacht hat, weil jetzt Hannover wieder akut gefährdet war und man sich nach einem Sieg der Franzosen ausrechnen konnte, dass sie nicht dieselben Fehler wie 1757 begehen würden, als sie den Hannoveranern erlaubten, eine vollständige Armee unter Waffen zu halten.

„1759, Chap. IV

Progress of the French after the battle of Bergen. Munster and other places taken. Situation of the French and of the allies. Motions of Prince Ferdinand. Battle of Minden. Hereditary prince of Brunswick defeats the Duke of Brisac. The French pass the Weser. (…)

We left the Army of Prince Ferdinand upon the retreat, ever since the battle of Bergen. The French advanced with great vivacity; their light troops made incursions almost to the gates of Hanover. The Prince still continued to retire, but he left the garrisons in Lipstadt, Ritberg, Munster and Minden, in order to retard the enemies progress: their principal design seemed to be cut off his retreat to the Weser, to which he kept very close, as he knew the infinite consequence of that communication. However, if the enemy failed to compass that object, all the precautions of the Prince proved also ineffectual to retard the progress of their arms. Ritberg was surprised, Lipstadt was blockaded, Minden was taken by assault, where a garrison 0f 1500 men were made prisoners, and where immense magazines fell into their hands. D’Armentieres advanced against Munster; he attempted to take the place by a coup de main. Thoug foiled in his attempt with considerable loss, he did noch desist; he drew up his cannon from Wesel, and after a short siege, made himselfe master of the city; the garrison of 4000 men became his prisoner. Nothing seemed able to withstand the rapid torrent with which the French over-ran the whole countr; they no longer hoped, the conquest of Hanover; it was with them an absolute certainty.

Elated with the fair appearance of their fortune, they kept no bounds. The French minister, the Duke of Bellisle, in his letters to the Marshal Contades, speaks only of the means of securing their conquest, and preventing another expulsion from Hanover; and for this end prposed the most cruel and unwarrantable expedients. Nor was there less dread and dejection visible on the side of the allies, than pride and confidence on that of the French. The Archives and most valuable moveables were sent off from Hanover to Stade. All things seemed hastening to the same posture which drew on the famous capitulation of Closter Seven.“

http://www.bodley.ox.ac.uk/ilej/
ab 1759, S. 15

Published in: on März 13, 2009 at 10:51 am  Schreibe einen Kommentar  

Yes we can

Ich unterbreche kurz die Berichte aus der Wiener Zeitung (und ggf. anderen zeitgenössischen) und verweise kurz auf einen Artikel der Times: 1759 and all that. Die besondere Spannung, die sich im Lauf der Beschäftigung mit der Schlacht bei Minden ergeben hat (und die für mich über dies Datum 1.8.1759 noch hinaus reichen dürfte) ergibt sich daraus, dass sie nicht nur den globalen Kontext zeigt, sondern auch deutlich werden läßt, wie sehr Deutschland damals (Preußens Erfolge hin oder her) an der Peripherie stand. Die auf Preußen fixierte Geschichtsdarstellung blendet nicht nur das aus, sondern auch, dass die Hauptaktuere auf „britischer“ Seite eben nicht britische Truppen, sondern hannoversche, braunschweigische oder schaumburg-lippische Truppen waren.

Published in: on Februar 10, 2009 at 3:32 pm  Schreibe einen Kommentar  

Minden, 20. Juli 1759

Die Bedeutung des folgenden Textes liegt nicht allein darin, dass einerseits die Franz0sen aus einer Position der Stärke agieren, die alliiert Armee ihnen aber zunehmend Widerstand leistet, sondern darin, dass vorherigen Artikel ausführlich über die umfangreichen französischen Vorbereitungen zur Invasion in England berichtet wird.

Journal der unter Commando des Herrn Marschalls von Contades stehenden Köniogl. Französischen Armee; aus dem Hauptquartier Minden 20. Julii

 

„Der 12. ist das Corps de Reserve unter dem Herzog von Broglie aus dem bey Engern gehabten Lager aufgebrochen und nacher Minden hier marschirt; dessen innengehabten Platz zu Engern hat der Herr Lieutenant General Marquis Dumenil mit 2 Brigaden Infanterie, denen Grenadiers de France und denen Königlichen, dann einer Brigade von Cavallerie besetzet.

Denen 13. lagerten sich 4 Brigaden Infanterie und eine Brigade Cavallerie unter Commando des Herrn Marquis von Beaupreau bey Erlinghausen, und den 14. alhier vor Minden, alwo sie die Stelle des Corps de Reserve des Herrn Herzogs von Broglie einnahmen, welcher den nämlichen Tag über die Weser gienge, um sohin bey Buckenburg sich zu lagern.

Den 13. ist die Stadt Osnabrück von unsern leichten Truppen besetzt worden, von wannen 4  feindliche Bataillons und ein Regiment Cavallerie die Nacht zuvor abgezogen seynd. Wie haben in Osnabrück ein feindliches Magazin von dreymal hunderttausend Rationen Furage und viele andere Gerätschaften gefunden, welche die Feinde hinweg zu bringen, nicht Zeit genug gehabt haben.

Der Prinz Ferdinand ist bereits den 11. von dannen aufgebrochen und hat sich zu Essen an der nach Stolzenau gehenden Strasse gelagert, nachdeme er 4 Bataillons und ein Cavallerieregiment, um die Hinwegbringung des Magazins von Osnabrück zu bedecken, daselbst hinterlassen. Den 13. gienge er von Essen nacher Rhaden. Der Erbprinz ware selbigen Tags mit einem Corps von beyläuffig zehen tausend Mann zu Liebenau. Dieses Corps des besagten Erbprinzens ist den 14. von Liebenau aufgebrochen und hat sich bey Stolzenau der Weser genähert, alwo es 3 Brücken über diesem Fluß geschlagen. Die Armee des Prinzen Ferdinand ist ebenfalls den 14. von Rhaden aufgebrochen, um sich der Weser zu nähern. 

Die Königlich Französische Armee hat auch den 14. das Lager bey Hervoorden verlassen, und sich nach Erlinghausen begeben. Den 15. aber hat selbe alhier bey Minden sich gelagert, alwo auch die detaschirte Corps deren Herren Beaupreau, Dumenil und Andlau sich mit selber vereinigten. Die Brigade von Auvergne nebst einem Cavallerieregiment unter Commando des Herrn von St. Germain, ist den 14. von Bielefeld, um die Brücke bey Hameln zu blenden und unsere Communication mit Paderborn zu bedecken, abmarschirt; und man wird ihme Herren von St. Germain ehestens mit frischen Truppen verstärken.

Den 16. ist die feindliche Armee an dem linken Ufer der Weser aufwärts marschirt, und hat sich dieselbe bey Petershagen anderthalb Meilen von uns gelagert. Der Herr Marschall hat ihren Marsch durch ein nahmhaftes Detachment unter Commando des Marechal de Camp Herrn Grafen von Raugrave recognisciren lassen.

Den 17. schickte der Prinz Ferdinand ein grosses Detachment aus, um unsere Position zu recognisciren; und er liesse zugleich das Detaschement des Herrn Grafens von Raugrave mit Stücken beschiessen, welcher aber nicht ehender als nach von dem Herrn Marschall diesfalls erhaltener Ordre sich zuruck zoge. Da verschiedene Deserteurs aussagten, daß der Feind uns in unserem Lager angreifen wolle, so wurde unsere Armee in Schlachtordnung gestellt, um den Feind zu empfangen, und das Corps de Reserve unter dem Herzog von Broglie mußte über die Weser gehen, und zu der Hauptarmee stossen; um 5 Uhr nachmittags zog sich der Feind durch eben den Wald zurücke, welcher ihm zur Bedeckung seiner Annäherung gedienet hatte.

Den 18. gienge das Corps de Reserve wiederum über die Weser, um an dem rechten Ufer dieses Flusses zu campiren. Gestern als den 19. Julii liessen sich bey anbrechenden Tag 2 grosse feindliche Detaschements sehen, welche den von Labeck bis hieher nach Minden sich erstreckenden Morast recogniscirten. Eines von diesen Detaschementern, so unfehlbar 5000 Mann stark seyn möchte, erschiene in der Gegend von Labeck bey 3 Meilen von unserem linken Flügel, das andere von beyläuffig 3000 Mann bey dem Dorf Hille, nächst am besagt unseren linken Flügel, und diese griffen die daselbst ausgestellte Postirungen unserer leichten Truppen sehr lebhaft an; allein ungehindert der Uberlegenheit des Feindes und unerarchtet seines heftigen Canonenfeuers hat selber noch den Morast nicht passiren können, und unsere Truppen haben sich an dem ihme entgegen stehenden Gestatt fortan erhalten.

Ein unseriges Detaschement von dem Regiment Berchini ist von verschiedenen Engländischen Cavallerie-Detaschementern angegriffen worden, hat sich aber tapfer gewehrt, und eben so viele von dem Feind erlegt, als es seiner Seits verloren, und die übrige von solchem Detaschement haben sich zu ihrem Corps zurück gezogen.“

Wiener Zeitung, 4.8.1759

Published in: on Dezember 23, 2008 at 10:09 pm  Schreibe einen Kommentar