Minden, 20. Juli 1759

Die Bedeutung des folgenden Textes liegt nicht allein darin, dass einerseits die Franz0sen aus einer Position der Stärke agieren, die alliiert Armee ihnen aber zunehmend Widerstand leistet, sondern darin, dass vorherigen Artikel ausführlich über die umfangreichen französischen Vorbereitungen zur Invasion in England berichtet wird.

Journal der unter Commando des Herrn Marschalls von Contades stehenden Köniogl. Französischen Armee; aus dem Hauptquartier Minden 20. Julii

 

„Der 12. ist das Corps de Reserve unter dem Herzog von Broglie aus dem bey Engern gehabten Lager aufgebrochen und nacher Minden hier marschirt; dessen innengehabten Platz zu Engern hat der Herr Lieutenant General Marquis Dumenil mit 2 Brigaden Infanterie, denen Grenadiers de France und denen Königlichen, dann einer Brigade von Cavallerie besetzet.

Denen 13. lagerten sich 4 Brigaden Infanterie und eine Brigade Cavallerie unter Commando des Herrn Marquis von Beaupreau bey Erlinghausen, und den 14. alhier vor Minden, alwo sie die Stelle des Corps de Reserve des Herrn Herzogs von Broglie einnahmen, welcher den nämlichen Tag über die Weser gienge, um sohin bey Buckenburg sich zu lagern.

Den 13. ist die Stadt Osnabrück von unsern leichten Truppen besetzt worden, von wannen 4  feindliche Bataillons und ein Regiment Cavallerie die Nacht zuvor abgezogen seynd. Wie haben in Osnabrück ein feindliches Magazin von dreymal hunderttausend Rationen Furage und viele andere Gerätschaften gefunden, welche die Feinde hinweg zu bringen, nicht Zeit genug gehabt haben.

Der Prinz Ferdinand ist bereits den 11. von dannen aufgebrochen und hat sich zu Essen an der nach Stolzenau gehenden Strasse gelagert, nachdeme er 4 Bataillons und ein Cavallerieregiment, um die Hinwegbringung des Magazins von Osnabrück zu bedecken, daselbst hinterlassen. Den 13. gienge er von Essen nacher Rhaden. Der Erbprinz ware selbigen Tags mit einem Corps von beyläuffig zehen tausend Mann zu Liebenau. Dieses Corps des besagten Erbprinzens ist den 14. von Liebenau aufgebrochen und hat sich bey Stolzenau der Weser genähert, alwo es 3 Brücken über diesem Fluß geschlagen. Die Armee des Prinzen Ferdinand ist ebenfalls den 14. von Rhaden aufgebrochen, um sich der Weser zu nähern. 

Die Königlich Französische Armee hat auch den 14. das Lager bey Hervoorden verlassen, und sich nach Erlinghausen begeben. Den 15. aber hat selbe alhier bey Minden sich gelagert, alwo auch die detaschirte Corps deren Herren Beaupreau, Dumenil und Andlau sich mit selber vereinigten. Die Brigade von Auvergne nebst einem Cavallerieregiment unter Commando des Herrn von St. Germain, ist den 14. von Bielefeld, um die Brücke bey Hameln zu blenden und unsere Communication mit Paderborn zu bedecken, abmarschirt; und man wird ihme Herren von St. Germain ehestens mit frischen Truppen verstärken.

Den 16. ist die feindliche Armee an dem linken Ufer der Weser aufwärts marschirt, und hat sich dieselbe bey Petershagen anderthalb Meilen von uns gelagert. Der Herr Marschall hat ihren Marsch durch ein nahmhaftes Detachment unter Commando des Marechal de Camp Herrn Grafen von Raugrave recognisciren lassen.

Den 17. schickte der Prinz Ferdinand ein grosses Detachment aus, um unsere Position zu recognisciren; und er liesse zugleich das Detaschement des Herrn Grafens von Raugrave mit Stücken beschiessen, welcher aber nicht ehender als nach von dem Herrn Marschall diesfalls erhaltener Ordre sich zuruck zoge. Da verschiedene Deserteurs aussagten, daß der Feind uns in unserem Lager angreifen wolle, so wurde unsere Armee in Schlachtordnung gestellt, um den Feind zu empfangen, und das Corps de Reserve unter dem Herzog von Broglie mußte über die Weser gehen, und zu der Hauptarmee stossen; um 5 Uhr nachmittags zog sich der Feind durch eben den Wald zurücke, welcher ihm zur Bedeckung seiner Annäherung gedienet hatte.

Den 18. gienge das Corps de Reserve wiederum über die Weser, um an dem rechten Ufer dieses Flusses zu campiren. Gestern als den 19. Julii liessen sich bey anbrechenden Tag 2 grosse feindliche Detaschements sehen, welche den von Labeck bis hieher nach Minden sich erstreckenden Morast recogniscirten. Eines von diesen Detaschementern, so unfehlbar 5000 Mann stark seyn möchte, erschiene in der Gegend von Labeck bey 3 Meilen von unserem linken Flügel, das andere von beyläuffig 3000 Mann bey dem Dorf Hille, nächst am besagt unseren linken Flügel, und diese griffen die daselbst ausgestellte Postirungen unserer leichten Truppen sehr lebhaft an; allein ungehindert der Uberlegenheit des Feindes und unerarchtet seines heftigen Canonenfeuers hat selber noch den Morast nicht passiren können, und unsere Truppen haben sich an dem ihme entgegen stehenden Gestatt fortan erhalten.

Ein unseriges Detaschement von dem Regiment Berchini ist von verschiedenen Engländischen Cavallerie-Detaschementern angegriffen worden, hat sich aber tapfer gewehrt, und eben so viele von dem Feind erlegt, als es seiner Seits verloren, und die übrige von solchem Detaschement haben sich zu ihrem Corps zurück gezogen.“

Wiener Zeitung, 4.8.1759

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Published in: on Dezember 23, 2008 at 10:09 pm  Schreibe einen Kommentar  

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