Paderborn, 19. Julii

„Paderborn, 19. Julii

Seit dem 14. dieses ist das Französische Hauptquartier zu Minden, und an eben diesen Tage paßirte der Herr von Broglie die Weser, um das bey Bückeburg abgestochene Lager zu beziehen. Den 16. um Mitternacht kam die Reserve wieder zurück, und vereinigte sich mit der Hauptarmee, welche sich wegen eines besorglichen Angrifs in Schlachtordnung stellte. Sie blieb in dieser Position den ganzen Tag, allein man bemerkte nichts als 12 bis 1400 Mann, welche auf Vorposten einige Canonen abfeuerten. Gleich nach der Eroberung von Minden hat sich auch die Allirte Armee in Bewegung gesetzet, sie marschirte gegen Nienburg und die Avantgarde, welche aus 10 bis 12000 Mann und allen allen leichten Truppen bestand, führte der Erbprinz von Braunschweig. Das Fischerische Corps dehnt sich gegen das Hanöverische aus und da der Herr von Besenwalde mit einer Brigade Infanterie den 14. zu Cassel angekommen, so ist in dieser Gegend die Ruh, welche der General Imhof unterbrechen wollen, wieder hergestellet. Die Alliirte Armee stand den 15. dieses noch zu Stolzenau und denen Nachrichten zufolge, welche aus dem Hauptquartier derselben vom 16. datirt sind, wir der Prinz Ferdinand allda so lang stehen bleiben, bis er alle detaschirte Corps an sich gezogen. Allem Ansehen nach dörfte es noch vor Paßirung der Weser zu einem Treffen kommen. So viel ist gewiß, daß alle schwere und überflüssige Bagage von der Armee auf Nienburg, Hoya und Verden geschickt worden. In der Nähe von Lippstadt lassen sich noch immer Französische Partheyen zu Pferde und zu Fuß stehen, mit welchem die Gräfl. Bückeburgische Carabiniers und Fußjäger fast täglich scharmutzieren, wie dann den 14. dieses in aller früh ein von da aus detaschiertes Commando Infanterie und Cavallerie die in Lipperode gestandene Patrouille angegriffen und 5 Mann Dragoner nebst denen Pferde gefangen dahin zurück brachte. Inzwischen fähret man an dem Festungsbau unvermüdet fort und die beyde Artielleriehauptleute Busmann und Kelhard beschäftigen sich noch unaufhörlich die Artillerie auf den neuen Batterien je länger, je besser zu reguliren, auch ausser dem allbereits grossen Vorrat mehr und mehr Munition in denen Laboratoriis zu verfertigen. Im Hessischen hat sich ausser denen kleinen Scharmützeln, welchen zwichen denen Hanöverischen Jägern und denen Französischen Vorposten vorgefallen, nichts merkwürdiges ereignet. Die 500 Mann Französische Truppen, welche Münden besetzt hatten, haben sich nach Cassel gezogen, wogegen Hanöversiche Jäger eingerückt, deren Aufenthalt aber nicht von Dauer seyn dörft. In Ansehung deren zu bezahlenden Contributionsgeldern hat man Französischer Seits noch eine kleine Frist verstattet, bis nämlich die Landstände beysammen seyn und ihre Verabredungen genommen haben.

„Paderborn, 19. Julii

Seit dem 14. dieses ist das Französische Hauptquartier zu Minden, und an eben diesen Tage paßirte der Herr von Broglie die Weser, um das bey Bückeburg abgestochene Lager zu beziehen. Den 16. um Mitternacht kam die Reserve wieder zurück, und vereinigte sich mit der Hauptarmee, welche sich wegen eines besorglichen Angrifs in Schlachtordnung stellte. Sie blieb in dieser Position den ganzen Tag, allein man bemerkte nichts als 12 bis 1400 Mann, welche auf Vorposten einige Canonen abfeuerten. Gleich nach der Eroberung von Minden hat sich auch die Allirte Armee in Bewegung gesetzet, sie marschirte gegen Nienburg und die Avantgarde, welche aus 10 bis 12000 Mann und allen allen leichten Truppen bestand, führte der Erbprinz von Braunschweig. Das Fischerische Corps dehnt sich gegen das Hanöverische aus und da der Herr von Besenwalde mit einer Brigade Infanterie den 14. zu Cassel angekommen, so ist in dieser Gegend die Ruh, welche der General Imhof unterbrechen wollen, wieder hergestellet. Die Alliirte Armee stand den 15. dieses noch zu Stolzenau und denen Nachrichten zufolge, welche aus dem Hauptquartier derselben vom 16. datirt sind, wir der Prinz Ferdinand allda so lang stehen bleiben, bis er alle detaschirte Corps an sich gezogen. Allem Ansehen nach dörfte es noch vor Paßirung der Weser zu einem Treffen kommen. So viel ist gewiß, daß alle schwere und überflüssige Bagage von der Armee auf Nienburg, Hoya und Verden geschickt worden. In der Nähe von Lippstadt lassen sich noch immer Französische Partheyen zu Pferde und zu Fuß stehen, mit welchem die Gräfl. Bückeburgische Carabiniers und Fußjäger fast täglich scharmutzieren, wie dann den 14. dieses in aller früh ein von da aus detaschiertes Commando Infanterie und Cavallerie die in Lipperode gestandene Patrouille angegriffen und 5 Mann Dragoner nebst denen Pferde gefangen dahin zurück brachte. Inzwischen fähret man an dem Festungsbau unvermüdet fort und die beyde Artielleriehauptleute Busmann und Kelhard beschäftigen sich noch unaufhörlich die Artillerie auf den neuen Batterien je länger, je besser zu reguliren, auch ausser dem allbereits grossen Vorrat mehr und mehr Munition in denen Laboratoriis zu verfertigen. Im Hessischen hat sich ausser denen kleinen Scharmützeln, welchen zwichen denen Hanöverischen Jägern und denen Französischen Vorposten vorgefallen, nichts merkwürdiges ereignet. Die 500 Mann Französische Truppen, welche Münden besetzt hatten, haben sich nach Cassel gezogen, wogegen Hanöversiche Jäger eingerückt, deren Aufenthalt aber nicht von Dauer seyn dörft. In Ansehung deren zu bezahlenden Contributionsgeldern hat man Französischer Seits noch eine kleine Frist verstattet, bis nämlich die Landstände beysammen seyn und ihre Verabredungen genommen haben.“

Wiener Zeitung, 1.8.1759

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Published in: on Dezember 15, 2008 at 9:57 pm  Schreibe einen Kommentar  

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