Köln, 9. August

Die Folgen der Schlacht waren für die französische Seite katastrophal, das zeigt dieser Artikel aus Köln vom 9. August, der erst am 18. August in Wien erscheint. Die Nachrichten sind unscharf, aber deutlich ist, dass die Franzosen, welche seit Bergen dauernd auf dem Vormarsch waren, mit der Schlacht bei Minden Westfalen in großen Teilen räumen müssen. Die mühsam errungenen Positionen werden innerhalb weniger Tage aufgegeben.

„Cöln, 9. Augusti

Durch die Briefe aus Westphalen vom 7. dieses hat man weder von der gegenwärtigen Stellung der Französischen Armee noch von dem am 1. vorgefallenen Treffen annoch eine hinlängliche Nachricht. Allhier ist noch bis heute kein Currier angekommen und alles, was man durch Berichte vom Niederrhein vernihmt, besteht blos darinnen, daß sich der Herr Marquis von Armentieres von Lippstadt zurück gezogen, daß die Garnisonen von Münster, Dulmen und Haltern sich nach Wesel begeben, und daß man daselbst alle möglichen Wägen zusammen bringe, um die Munition wieder zurück zu führen, die sich in denen Communicationsplätzen befindet. Briefe von Lüttich melden ebenfalls, daß allda den 4. Nachts 2 Französische Curriers, einer an den Herrn Belleisle, und einer an die Prinzeßin von Conde durchgegangen, welche blos dieses meldeten, daß der Prinz Ferdinand von der Seite seines rechten Flügels ein grosses Detaschement bis Hervorden abgeschickt, und daß einige Communicationen coupirt wären. Von Hanöverischer Seite hat man von diesem Treffen durch die Briefe vom 3. dieses auch keine weitere Umstände erhalten. Man meldet nur dieses, daß der erste Angrif von Französischer Seite auf das unweit Hille gestanden Wangeheimische Corps geschehen sey, daß dieses das Französische Canonenfeuer bey ein und einer halben Stund, wiewol mit nicht geringen Verlust ausgehalten, und daß endlich der Prinz Ferdinand von Petershagen her mit forcirtem Marsch besagtes Corps unterstützet habe. Die Affaire wäre hierauf allgemein geworden, der Französische linke Flügel hätte sich nach einem tapfern Gegenstand, erst Nachmittags repliirt, und gegen Hervorden zugewendet. Von alliirter Seite wären keine hohe Officiers in diesem Treffen geblieben, und sehe man in Hannover selbst noch einer umständlichen Nachricht entgegen. den 2. Morgen habe man in der Gegend von Hervorden und Flothan wiederum eine heftige Canonade gehöret, woraus man geschlossen, es möchte zwischen beyden Truppen aufs neue etwas vorgefallen seyn.  Es wr eigentlich der Herr Obriste von Comeiras, welcher mit seinen Regimentern Volontairs Clermont, von denen Alliirten in Osnabrück den 28. angegriffen worden. Die Französische Truppen defendirten sich sehr tapfer, und zogen sich im beständigen Musquetenfeuer, Strasse vor Strasse, zu dem einen Thor hinaus. Ob gleich die Alliirte ihr verlassenes Magazin wieder erhielten, so haben sie doch bey dieser Expedition viel an Mannschaft eingebüsset. In Bremen sind nach Briefen vom 4. dieses noch 400 Mann Hannöverisch und Hessische Landmilitz zur Besatzung. …“

Quelle: Wiener Zeitung, 18.8.1759

Veröffentlicht in: on Januar 19, 2009 at 9:57 Kommentar schreiben

Düsseldorf, 5.8.1759

Jetzt endlich, in einer Nachricht vom 5.8. aus Düsseldorf gibt es erste Details zur Schlacht, wobei die Angabe, die Auseinandersetzung habe bis Abend gedauert, den schnellen Verlauf um einiges verlängert und auch die Niederlage der französischen Armee nur versteckt erkennbar wird.

„Düsseldorf, 5. Augustii

Die bisherige Situation deren Armee in Westphalen hat sich nach denen Briefen vom 3. dieses geändert. Die Alliirte Armee brach den 29. Julii Nachts von Petershagen auf, und marschirte von da nach Hille, wo noch den 31. das Hauptquartier war. Den 28. hatte sich der Major von Drevet, nachdem er sich von Bremen aus mit der Garnison von Vechte vereinigt, der Stadt Osnabrück bemächtigt, welche Expedition aber Hanöverische Seits viel gekostet. Den 30. eroberte der Erbprinz von Braunschweig mit 8 Bataillons und 6 Esquadrons den Posten von Labeck und den 31. wurden die Schiffbrücken über die Weser abgebrochen, und nach Nienburg gebracht. Jedermann vermutete bey dieser nahen Stellung beyder Armeen ein bevorstehendes Treffen, und dieses erfolgte auch den 1. Augusti, da der Herr Marschall von Contades nach erhaltener Nachricht, daß der Erbprinz von der alliirten Armee mit einem starken Corps abgegangen sey, diese Morgens um 7 Uhr mit 6000 Mann angrif. Der Prinz Ferdinand rückte in 9 Colonnen entgegen, das Treffen dauerte bis gegen Abend, worauf sich die Französische Armee gegen Minden zurück zog. Dem Vernehmen nach sind alle Regimenter, ausser einem Engländischen von dem Corps des Erbprinzen bey der Bataille gewesen. Die weiteren Umstände stehen noch zu erwarten.“

Quelle: Wiener Zeitung, 15.8.1759

Veröffentlicht in: on Januar 18, 2009 at 12:52 Kommentar schreiben

Minden, 28.7.1759

Dieser Bericht aus Minden, Ende Juli, bietet einige neue Informationen über die sich zunehmend zuspitzende Lage. Für beide Seiten war offenbar klar, dass eine Schlacht sich nicht mehr vermeiden liess. Bei Abschreiben der Texte des Wiener Korrespondenten fällt mir immer wieder der wenig aggressive Ton der Texte auf.

„Aus dem Lager der Kön. Französischen Armee be Minden 28. Julii

Die beyderseitige Armeen halten noch immer die vorige Stellung, die feindliche Armee campiret noch bey Petershagen, und die unserige ist noch bey Minden gelagert; die Reserve des Herzogs von Broglie hat ihr Lager auch noch an dem rechten Ufer des Weserstroms, und lehnet sich mit ihrem linken Flügel an die 3 Brücken, welche wir über selbigen Fluß haben. Der Prinz Ferdinand steiget fast alle Tage morgens um 4 Uhr zu Pferd, um unsere Position zu recognosciren. Seine Druchl. haben starke Detaschementer vorwärts Petershagen eine Stunde vor Minden stehen, dergleichen wir auch vor unserem Lager voraus gestellet haben, und folgendes gehet fast kein Tag vorbey, daß die leichten Trupen sich nicht miteinander herum schlagen, oder einige Canonenschüsse gehöret werden, wiewol ohne grosser Würkung. Die Feinde arbeiten mit verdoppelten Fleiß und Leuten vor dem Gehölz, oder ihnen nahe gelegenen Wald, ihre sehr weit ausgebreitete Verschanzungen zu vollkommenen Stand zu bringen. Nachdem der Generalleutnant von Zastrow und 3500 Mann in der Citadelle zu Münster zu Kriegsgefangenen gemacht worden, wo auch die ansehnliche Magazinen der Stadt in die Hände deren Unserigen gefallen seynd, so machet der Marquis d’Armentieres vor Lippstadt große Veranstaltungen, um selbige Stadt zu berennen, und enger einzuschliessen, in welcher der General von Hardenberg commandiret, und eine ungefähr 3000 Mann starke Garnison unter seinem Commando hat. „

 

Quelle: Wiener Zeitung, 15.8.1759

Veröffentlicht in: on at 9:34 Kommentar schreiben

Köln, 24.7., Hannover, 27.7.

Die beiden Berichte aus Köln und Hannover ergänzen sich gegenseitig. Sie zeigen, dass die französische Seite schon die nächsten Schritte plante, u.a. die Eroberung Hamelns.

„Cöln, 24. Julii

Das Theater des Krieges. welches bisher in Westphalen gewesen, wird sich, allem Ansehen nach, ehestens in die Hanöverische Staaten, und vornehmlich in das Herzogtum Bremen ziehen. Die alliirte Armee, welche bisher in der Gegend von Nienburg gestanden, ist längs der Weser dahin im Marsche und die Französische macht gleichfalls solche Bewegungen, aus denen sich folgen läst, daß sie erstere zu einem Treffen nöhtigen gedenke. Uber Averdiessen sind den 17. dieses 8000 und von Minden aus 16.000 Franzosen mit vielen Canonen und Mörsern auf Hameln zu marschiret, und dörfte die Belagerung dieses Platzes ehestens vor sich gehen.

Hanover 27. Julii

Da eine feindliche Belagerung der Festung Hameln besorget wird, so ist die Bagage der darin befindlichen Garnison von dorten weggeschaft, und am 15. dieses unter einer Escorte von Dragonern hierdurch und auf Nienburg (allwo die Mannschaft auch zur Bedeckung des dortigen Magazins und der Feldbäckerey dienen soll) gebracht worden. In der vorigen Woche hat man noch 24, 12 und 6-pfündige metallene Canonen von hier aus nach besagtem Hameln zu dessen mehrerer Defension abgeführet. Am 16. dieses ist die vom Feind in Minden zu Kriegsgefangenen gemachte Garnison, nach zuvor geschehener Versprechung der Gegenauswechslung, allhier angekommen. Denen mit darunter befindlichen 100 Mann vom Jungbreitenbachischen Dragonerregiment hat man zuvor die Pferde, und wie denen andern das Gewehr abgenommen. Diese demontirte Dragoner werden also wieder beritten gemacht, auch wird ihnen, wie denen übrigen Desarmirten neues Gewehr gegeben, und jeder nach seinem Regimente abgeschickt.“

Wiener Zeitung, 15.8.1759

Veröffentlicht in: on Januar 13, 2009 at 9:01 Kommentar schreiben

Minden, 26. Juli

„Aus dem Lager der Französischen Armee zu Minden den 26. Jul.

Der Marschall von Contades wurde den 19ten des Abends benachrichtiget, daß ein grosses Detachement von der feindl. Armee, und wie man sagte, unter Befehl des Erb-Prinzens gegen unsere Linke auf die Brücke von Hille anmarschieret sey, und unsre allda postirt gestandene Freywillige von Haynault zum Weichen gebracht habe.
Zu gleicher Zeit vernahm man auch, daß besagtes Detachement sich in der Gegend von Labeck hätte sehen lassen, welcher Posten zwar sehr wichtig, um unsere Linke zu decken; da aber der Graf von Berchiny nicht genugsame Stärcke hatte, um selben recht zu behaupten, so zoge er sich mit seinem Regiment zurück, und ließe nur die Freywillige von Prague allda, um den Marsch des Feindes zu beobachten.
Auf diese eingegangene Berichte ließe der Marschall noch um Mitternacht den Grafen von Guerchy mit der Brigade du Roy, 20 Grenadierscompagnien, 20 Piquets und 1200 Reuter abgehen, um den Erbprinz, falls dieser sich des vortheilhaften Postens von Labeck bemeisteret hätte, gleich anzugreifen; als der Graf Guerchy aber bey der Brück von Hille ankame, vernahme er, daß die Feinde sich bereits zuruck gezogen, dahero gienge er auch mit seinem Detachement nicht weiter, vielmehr kehrete er damit den 20ten zu Abends wieder ins Lager ein.
Auf der rechten Seite der Weser hat der Herr von Bair, so die Freywillige von der Reserve commandiret, den Posten von Lade, bis den 21sten den ganzen Tag durch, immer besetzt gehalten und sich erst des Nachts nach der Commanderie zuruck gezogen; allein da von diesem Posten, gleichsam als von einem Belvedere, alles in dem feindlichen Lager vorgehende genau beobachtet werden konnte, so waren die Feinde äußerst bedacht, um uns davon zu vertreiben; derowegen kamen sie in der Nacht vom 20. zum 21ten mit Mcht heran, und verhinderten den Herrn von Bair den Posten von Lade wieder einzunehmen. Bey dieser Gelegenheit fiele ein sehr hitziger Scharmützel zwischen den Freywilligen und Feinde vor; da aber die in der Commanderie gelegene Nassauische Hussaren denen Freywilligen zu Hülfe eileten, so konnten diese von denen Feinden nicht verfolget werden. Als der Herzog von Broglie von dieser Attaque benachrichtiget wurde, begabe er sich alsobald dahin, allein bey seiner Ankunft hatte sich schon alles geendiget.
Da indessen der Herzog besorgte, es möchten die Feinde sich dieses Angriffes als einer Larve bedienet haben, um mittelst einer bey Petershagen leicht zu schlagender Brücken, den Ubergang ihrer ganzen Armee über die Weser heimlich zu decken, und uns solches zu verbergen, so liesse er in Betracht dessen die Freywillige noch mit 600 Mann verstärken. Gedachter Herzog hat auch, auf Befehl des Hrn. Maschalls von Contades, am 22. dieses 300 Mann unter Befehl des Obristleutnants von Hervorden in das Bückeburger Schloß gelegt, mit gemessener Ordre, sich daselbst bis aufs äusserte zu verteidigen.
Unsere und die feindliche Vorposten stehen nur einen kleinen Flintenschuß weit von einander. Die feindliche Armee verschanzet sich; wie haben eine treffliche Position, welche keiner Verschantzung nötig hat. Wie bedecken die Unternehmungen des Herrn Marquis d’Armentieres, welcher mit aller Behendigkeit vorrucket, und alle Anstalten macht, um Lippstadt zu berennen, alwo der Hanöverische General Hardenberg eine Besatzung von beyläuffig 3000 M. commandiret. Das Corps de Reserve des Herrn Herzogs von Broglie campirt an dem rechten Ufer der Weser, und lähmet seinen linken Flügel an 3 Brücken, welche wir über die Weser haben. Ein unseriger Posten von ungefähr 300 Mann haltet seit einigen Taegen das Schloß von Bückeburg besetzet, welches eine Meile von dem rechten Flügel unseres Corps de Reserve ligt. Der Graf von Lippe Bückeburg hat an diesem Schloß von allen Befestigungsgattungen einen Theil angebracht. Es ist ganz etwas besonderes, und kan ohne grossen Geschütz nicht eingenommen werden.“

Quelle: Wiener Zeitung, 11.8.1759

Veröffentlicht in: on Januar 11, 2009 at 1:31 Kommentar schreiben

Düsseldorf, 26.7.1759

Der Bericht vom 26. Juli aus Düsseldorf deutet die anstehende Schlacht schon an. Der in früheren Berichten erkennbare Optimismus der französischen Seite ist hier nicht mehr erkennbar.

Düsseldorf, 26. Julii
Die neuere Berichte von der Alliirten Armee unterm 20. dieses sind in Ansehung der gegenwärtigen Position derselben sehr verschieden von denen letztern. Diese Armee ist nicht, wie es hieß die Weser passirt. Der Prinz Ferdinand ist vielmehr den 16. von Stolzenau gegen Petershagen aufgebrochen, um wahrscheinlicher Weise die Französische Armee anzugreifen, der Erbprinz von Braunschweig war mit 10000 Mann voraus, der Marsch der Armee ging in 9 Colonnen, die Cavallerie stund den 17. den ganzen Tag in Schlachtordnung die Infanterie im Gewehr, allein da es gegen Abend hieß, die Französische Armee hätte eine Wendung gegen Labeck gemacht, so kehreten die Truppen in ihr voriges Lager. Den 17. ist die alliirte Armee gegen Buschfeld, eine Stunde vor Minden vorgerückt. Das Hauptquartier blieb zu Petershagen, und allem Ansehen nach, darf man aufs neue eine bevorstehende Bataille vermuten. Die schwere Bagage hat von dem Weeg nach Stade wiederum nach Nienburg zurück kehren müssen.“

Quelle: Wiener Zeitung, 8.8.1759

Veröffentlicht in: on Januar 5, 2009 at 9:59 Kommentar schreiben

Köln, 24.7.1759

 Der Brief vom 24.7. bringt einige interessante Details wenige Tage vor der Schlacht.

„Durch die Briefe vom 24. Juli hat man von keiner veränderten Stellung deren Armeen in Westphalen Nachricht. Die Französische steht noch bei Minden, und bisher ist wenig von Merkwürdigkeit vorgefallen. Noch den 20. behauptete der Herr von Baire, der die Volontärs der Reserve commandirte, auf dem rechten Ufer der Weser den Posten von Lade, und zog sich Nachts allzeit in die Commenthurey. Da er von diesem Posten das gegenseitige Lager übersehen konte, so dachten die Alliirte ernstlich darauf, ihn  zu delogiren, in der Nacht auf den 21. marschirten sie in starker Anzahl dahin, und verhinderten den Herrn du Bair (!) in die Commenthurey zurück zu gehen. Der Scharmützel, der hiebey vorfiel, war sehr lebhaft. Der Herzog von Broglie kam dahin, als alles schon vorüber war, allein da er besorgte, es dörften die Feinde dadurch ihre Passage über die Weser masquiren, zumal da sie unter Petershagen leichtlich Brücken schlagen konten, so ließ er die Volontaires durch 600 Mann unterstützen, welche täglich abgelöst werden. Das Schloß von Bückeburg ist mit 300 Mann unter dem Obrist-leutenant von Hervorden besetzt worden, welcher Ordre hat, sich bis aufs äusserste zu wehren. Die alliirte Armee steht noch bey Petershagen, und der Französischen so nahe, daß, wie die Briefe melden, die Cavallerie die Pferde nicht wol zu Tränke führen kan, um nicht von denen Französischen Canonen bestrichen zu werden. Das Dorf Lade ist von dem Hanöverischen Obristen von Laffert besetzt worden, das Fischerische Corps aber ist durch das Hildesheimische Amt Dessel gezogen, und gegen Göttingen marschirt. Das Dessein, welches der Erbprinz von Braunschweig auf denen Französischen Posten bey Hille hatte, soll durch einen Deserteur von dem gelben Hussaren verrahten worden seyn.“

Wiener Zeitung, 8.8.1759

Veröffentlicht in: on Januar 4, 2009 at 9:08 Kommentar schreiben

Minden, 27. Juli

Der Artikel vom 27. Juli, wenige Tage vor der Schlacht bietet keine Infos über die Situation in Minden, zeigt aber das Selbstbewußtsein der französischen Seite: der Krieg im Westen scheint gewonnen; allerdings spiegeln die ersten Bemerkungen auch die zunehmende Spannung zwischen den Truppen bei Minden wider.
„Aus dem Französischen Hauptquartier Minden 27. Juli
Die feindliche Armee stehet noch allezeit zu Petershagen, die Schildwachten von beyerseitigen Vorposten stehen nur einen Flintenschuß von einander und nachdem nun Münster in unseren Händen, so wird Lippstadt die Reihe treffen, worinnen sich der Generalleutenant von Hardenberg mit einer Garnison von 3000 Mann befindet.“

Wiener Zeitung, 8.8.1759

Veröffentlicht in: on Dezember 27, 2008 at 11:28 Kommentar schreiben

Nienburg, 18. Juli

Die Korrespondentenartikel der Wiener Zeitung sind nicht chronologisch und so enthält die Ausgabe vom 8. August 1759 einen Bericht aus Nienburg, der schon vom 18. Juli stammt und besonders die Verhältnisse bei Hameln und Hannover beschreibt. Die Region wird zwar nicht von den Franzosen kontrolliert, wohl aber bewegen sich kleinere Einheiten offenbar weitgehend ungezwungen in diesem Gebiet. 

Deutlich wird auch an diesem Artikel, dass die französischen Truppen den schnellen Vorstoß nach Hannover so lange scheuen, wie in Westfalen die Dinge noch nicht unter Kontrollie sind. Allerdings steht in der aktuellen Ausgabe auch schon ein Bericht über die Eroberung Münters vom 27. Juli.

„Hameln ist seit vorgestern berennet, und zu Hilligfeld, welches nicht weit davon ligt, sind schon 9000 Mann Franzosen gewesen; wie sich dann auch zu Barckel ein starkes Französisches Vorkorps hat sehen lassen. Inzwischen glaubt man nicht, daß es eher zu förmlichen Belagerung von Hameln kommen, bis man sich Französischer Seits erst wegen Münster und Lippstadt gesichert sehen möchte. Am 15. dieses ist aus Hameln das Dragoner-Regiment Jungenbreitenbach zu Hanover angelanget, und von da weiter zur Hauptarmee abmarschiret. Zu Hanover ist ein Commando Jäger und Hussaren angekommen, um die Weser-Gegend gegen die Französische Streiffereyen von Minden aus in Sicherheit zu erhalten. Die Lücknerischen Husaren sollen keine 2 Meilen mehr von Hanover stehen, und es heist, daß auch der Herr Obristleutenant Freytag mit seinem Jägercorps nicht gar weit mehr von besagter Stadt entfernt sey.“

Quelle: Wiener Zeitung, 8.8.1759

Veröffentlicht in: on Dezember 25, 2008 at 10:26 Kommentare (1)

Minden, 20. Juli 1759

Die Bedeutung des folgenden Textes liegt nicht allein darin, dass einerseits die Franz0sen aus einer Position der Stärke agieren, die alliiert Armee ihnen aber zunehmend Widerstand leistet, sondern darin, dass vorherigen Artikel ausführlich über die umfangreichen französischen Vorbereitungen zur Invasion in England berichtet wird.

Journal der unter Commando des Herrn Marschalls von Contades stehenden Köniogl. Französischen Armee; aus dem Hauptquartier Minden 20. Julii

 

„Der 12. ist das Corps de Reserve unter dem Herzog von Broglie aus dem bey Engern gehabten Lager aufgebrochen und nacher Minden hier marschirt; dessen innengehabten Platz zu Engern hat der Herr Lieutenant General Marquis Dumenil mit 2 Brigaden Infanterie, denen Grenadiers de France und denen Königlichen, dann einer Brigade von Cavallerie besetzet.

Denen 13. lagerten sich 4 Brigaden Infanterie und eine Brigade Cavallerie unter Commando des Herrn Marquis von Beaupreau bey Erlinghausen, und den 14. alhier vor Minden, alwo sie die Stelle des Corps de Reserve des Herrn Herzogs von Broglie einnahmen, welcher den nämlichen Tag über die Weser gienge, um sohin bey Buckenburg sich zu lagern.

Den 13. ist die Stadt Osnabrück von unsern leichten Truppen besetzt worden, von wannen 4  feindliche Bataillons und ein Regiment Cavallerie die Nacht zuvor abgezogen seynd. Wie haben in Osnabrück ein feindliches Magazin von dreymal hunderttausend Rationen Furage und viele andere Gerätschaften gefunden, welche die Feinde hinweg zu bringen, nicht Zeit genug gehabt haben.

Der Prinz Ferdinand ist bereits den 11. von dannen aufgebrochen und hat sich zu Essen an der nach Stolzenau gehenden Strasse gelagert, nachdeme er 4 Bataillons und ein Cavallerieregiment, um die Hinwegbringung des Magazins von Osnabrück zu bedecken, daselbst hinterlassen. Den 13. gienge er von Essen nacher Rhaden. Der Erbprinz ware selbigen Tags mit einem Corps von beyläuffig zehen tausend Mann zu Liebenau. Dieses Corps des besagten Erbprinzens ist den 14. von Liebenau aufgebrochen und hat sich bey Stolzenau der Weser genähert, alwo es 3 Brücken über diesem Fluß geschlagen. Die Armee des Prinzen Ferdinand ist ebenfalls den 14. von Rhaden aufgebrochen, um sich der Weser zu nähern. 

Die Königlich Französische Armee hat auch den 14. das Lager bey Hervoorden verlassen, und sich nach Erlinghausen begeben. Den 15. aber hat selbe alhier bey Minden sich gelagert, alwo auch die detaschirte Corps deren Herren Beaupreau, Dumenil und Andlau sich mit selber vereinigten. Die Brigade von Auvergne nebst einem Cavallerieregiment unter Commando des Herrn von St. Germain, ist den 14. von Bielefeld, um die Brücke bey Hameln zu blenden und unsere Communication mit Paderborn zu bedecken, abmarschirt; und man wird ihme Herren von St. Germain ehestens mit frischen Truppen verstärken.

Den 16. ist die feindliche Armee an dem linken Ufer der Weser aufwärts marschirt, und hat sich dieselbe bey Petershagen anderthalb Meilen von uns gelagert. Der Herr Marschall hat ihren Marsch durch ein nahmhaftes Detachment unter Commando des Marechal de Camp Herrn Grafen von Raugrave recognisciren lassen.

Den 17. schickte der Prinz Ferdinand ein grosses Detachment aus, um unsere Position zu recognisciren; und er liesse zugleich das Detaschement des Herrn Grafens von Raugrave mit Stücken beschiessen, welcher aber nicht ehender als nach von dem Herrn Marschall diesfalls erhaltener Ordre sich zuruck zoge. Da verschiedene Deserteurs aussagten, daß der Feind uns in unserem Lager angreifen wolle, so wurde unsere Armee in Schlachtordnung gestellt, um den Feind zu empfangen, und das Corps de Reserve unter dem Herzog von Broglie mußte über die Weser gehen, und zu der Hauptarmee stossen; um 5 Uhr nachmittags zog sich der Feind durch eben den Wald zurücke, welcher ihm zur Bedeckung seiner Annäherung gedienet hatte.

Den 18. gienge das Corps de Reserve wiederum über die Weser, um an dem rechten Ufer dieses Flusses zu campiren. Gestern als den 19. Julii liessen sich bey anbrechenden Tag 2 grosse feindliche Detaschements sehen, welche den von Labeck bis hieher nach Minden sich erstreckenden Morast recogniscirten. Eines von diesen Detaschementern, so unfehlbar 5000 Mann stark seyn möchte, erschiene in der Gegend von Labeck bey 3 Meilen von unserem linken Flügel, das andere von beyläuffig 3000 Mann bey dem Dorf Hille, nächst am besagt unseren linken Flügel, und diese griffen die daselbst ausgestellte Postirungen unserer leichten Truppen sehr lebhaft an; allein ungehindert der Uberlegenheit des Feindes und unerarchtet seines heftigen Canonenfeuers hat selber noch den Morast nicht passiren können, und unsere Truppen haben sich an dem ihme entgegen stehenden Gestatt fortan erhalten.

Ein unseriges Detaschement von dem Regiment Berchini ist von verschiedenen Engländischen Cavallerie-Detaschementern angegriffen worden, hat sich aber tapfer gewehrt, und eben so viele von dem Feind erlegt, als es seiner Seits verloren, und die übrige von solchem Detaschement haben sich zu ihrem Corps zurück gezogen.“

Wiener Zeitung, 4.8.1759

Veröffentlicht in: on Dezember 23, 2008 at 10:09 Kommentar schreiben