Nach einer längeren Pause geht es weiter. In der Zwischenzeit habe ich mit der Frage beschäftigt, welche Überlegungen sich aus der Schlacht bei Minden ergeben, d.h. insbesondere an welche Nahtstelle zwischen Lokalem und Globalem sie liegt. Weiter ergab sich daraus der Gedanke, Regionalgeschichte aus einer anderen methodischen Perspektive zu betrachten.
Hamburg, 12. Juli, Osnabrück, 14. Juli; Minden und Hannover, 18. Juli
Hamburg 12. Julii
Im Hanövrischen wird stark geworben, und in denen meisten Städten die entbehrlichsten Leute von denen Handwerkern ausgehoben. Den 3. bis zum 4. Julii ist dieses auch zu Göttingen geschehen.
…
Die folgenden, mit einem zeitlichen Abstand von ca. 2 Wochen zum tatsächlichen Geschehen in Wien veröffentlichten Nachrichten zeigen eine französische Armee, die im Nordwesten des Reiches die Initiative übernommen hat. Während die Hauptarmee von Contades sich in Minden aufhält, erstrecken sich die Aktionen von Broglie und den Fischerschen Jäger schon in Gebiete östlich der Weser.
„Osnabrück 14. Julii
Wir haben hier keine Alliirte mehr, sondern Franzosen. Gestern früh um 5 Uhr erfuhr der Capitain Aide-major von Origny, daß die Alliirte sich eilfertig zurück gezogen, er eilete daher
mit 125 Mann in hiesige Gegend; die von verschiedenen Regimentern mitgegangene Officiers thaten alles mögliche, sie sprengten die Thöre auf, und verfolgten die Alliirten; wären die doppelte Thöre nicht so schwer zu erbrechen gewesen, so würden die Franzosen sehr viele Gefangene gemacht haben; sie haben indessen deren noch bey 50 gemacht und auch ein beträchtliches Magazin bekommen. Zwey Stunden darauf, da der Herr von Oringny die Alliirten eine Meile weit verfolgt, kam eine Verstärkung von 3 bis 400 Hussaren und Freywilligen bey ihm an.
Hanover 18. Julii
Am 11. dieses führete man hier die Königliche Pferde auf Zelle. Die Fischerische Husaren giengen bis Hausbergen, Petershagen und Stolzenau. Nämlichen Tages hatte der Prinz Ferdinand sein Hauptquartier zu Bohmte, und sein Reserv-corps zu Diepenau. Der Generalleutnant von Wangenheim stehet auf der Strasse nach Nienburg und hält die Gemeinschaft mit dieser Stadt offen.
Minden 18. Julii
Frankfort 13. Juli
Frankfort 13. Julii
Vorgestern gegen Abend reiseten Se. Hochfürstl. Durchl. der Prinz von Zweybrücken von hier weiter zu der in denen Gegenden Schmalkalden stehenden Reichsarmee ab. Die heutige Nachrichten von der Französischen Armee sind sehr erheblich. In Preußisch-minden haben die Franzosen nebst zweyen Fahnen verschiedene andere Ehrenzeichen des Krieges bekommen. Lippstadt ist so gut wie abgeschnitten, und vor Hameln, das man unter Wasser gesetzt, wird man das Wasser wieder abzuzapfen suchen.
Der globale Kontext der Schlacht
Wenn die Schlacht bei Minden als ein außerordentliches Ereignis bewertet wird, dann in erster Linie wegen ihrer globalen Bedeutung. Das bedeutet wiederum, eine britische Perspektive einzunehmen, denn England gelang 1759 mit der Schlacht bei Minden und der kurze Zeit später erfolgten Eroberung von Quebec ein entscheidender Durchbruch zur Weltherrschaft, „Britain became Master of the World“ (Lynn). Damit wird Minden Teil einer nationalen Erfolgsgeschichte, die auch durch den Verlust der nordamerikanischen Kolonien nicht in Frage gestellt wird. Es dürfte dieser Bewertung geschuldet sein, dass die britische Perspektive die Rolle der englischen Truppen in der Schlacht besonders heraus stellt; zuweilen mag gar der Eindruck entstehen, als hätten allein englische Truppen an der Schlacht teilgenommen bzw. als hätten sie die entscheidende Rolle gespielt.
Entnommen aus:
http://www.lwg.uni-hannover.de/wiki/Schlacht_Minden_Einfuehrung
Dort auch weitere Literaturhinweise
Der 1.8.1759
Am 1. August 1759 stießen nördlich von Minden ca. 80.000 französische, deutsche und englische Truppen aufeinander. Sie waren in zwei großen Armeen organisiert. Auf der einen Seite stand eine französische Armee unter Marschall Contades, auf der anderen Seite eine alliierte Armee unter dem Oberfehl des braunschweigischen Herzogs Ferdinand. In beiden Armeen kämpften deutsche Soldaten: sächsische in der französischen Armee, hannoversche, braunschweigische, hessische, schaumburg-lippische und preußische in der alliierten Armee. Die französischen Truppen hatten Anfang Juli 1759 Minden eingenommen und beabsichtigten nun, das Kurfürstentum Hannover wieder zu erobern, das sie 1757 schon einmal besetzt hatten.
Nach nur wenigen Stunden war die Schlacht entschieden; die zahlenmäßig überlegenen französischen Truppen waren schlecht koordiniert und standen einem gut informierten Gegner gegenüber. Weder gelang es, die linke Flanke der alliierten Truppen aufzubrechen, noch, im Zentrum erfolgreich mit der Kavallerie anzugreifen. Im Gegenteil: Britische Grenadiere schlugen die französische Kavallerie! Dass die britische Kavallerie unter Lord Sackville nicht in den Kampf eingriff und damit eine noch größere französische Niederlage vereitelte, änderte nichts mehr an dem Ausgang der Schlacht.
Minden 1759
Im nächsten Jahr wiederholt sich der 250. Jahrestag der Schlacht bei Minden, die am 1.8.1759 bei dem westfälischen Minden statt fand. In Deutschland ist sie weitgehend unbekannt, in England dagegen wird die Erinnerung an dies Ereignis wach gehalten. Seit 2007 arbeiten Studierende an der Universität Hannover an einer Ausstellung, die im Juli 2009 in Minden gezeigt wird. Dieser Blog soll die grundlegenden Überlegungen, Arbeitsergebnisse, Thesen wiedergeben.